|
Zurück zur Übersicht
Peru
Informationen über das Land
Allgemein,
Geographie, Klima | Geschichte |
Statistik
| Bevölkerung |
Sprache und Religion |
Musik | Politik |
Bildung und
Schulwesen | Landwirtschaft |
Bergbau und Industrie |
Verkehrswesen
Alle
Fotos von Peter Nausester.
Allgemein
 |
|

|
Peru, Land im westlichen Südamerika; das Staatsgebiet grenzt im Norden an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien und Bolivien, im Süden an Chile und im Westen an den Pazifischen Ozean. Mit einer Gesamtfläche von 1285216 Quadratkilometern (einschließlich vorgelagerter Inseln) ist Peru nach Brasilien und Argentinien das drittgrößte Land Südamerikas. Hauptstadt des Landes ist Lima.
Peru gliedert sich in drei naturräumliche Großeinheiten: Costa (Küstenebene, 11Prozent der Staatsfläche), Sierra (Gebirge, 26Prozent) und Oriente (Gebirgsvorland, 63Prozent). |
Physische Geographie
Die Küstenebene besteht aus einem lang gezogenen Landstreifen, der sich entlang der gesamten Küste von Nordwesten nach Südosten erstreckt und zwischen 60 und 150Kilometer breit ist. In diesem Tiefland befinden sich die meisten Städte des Landes. Zahlreiche Flüsse entwässern die Tieflandregion zum Pazifischen Ozean.
Parallel zur Küstenebene liegt die sich östlich anschließende Sierra, ein Abschnitt der Anden, der sich aus drei Hauptgebirgszügen zusammensetzt. In der Westkordillere erheben sich mehrere über 6000Meter hohe Gipfel; der Huascarán ist mit 6768Metern höchster Berg des Landes. Jenseits der Senke des Río Marañón erstreckt sich die
Zentralkordillere, die durch das Tal des Río Huallaga von der Ostkordillere getrennt ist. Im Süden Perus ist ein ausgedehntes Hochland
(Altiplano) ausgebildet, dessen größter Teil zu Bolivien gehört. In ihm befindet sich auch das abflusslose Becken des
Titicacasees, der über den Desaguadero in den Poopósee in Bolivien entwässert.
Nach Osten geht die stark gegliederte Ostabdachung der Anden (Montaña) in ausgedehntes tropisches Tiefland
(Selva) über, das sich bis zur brasilianischen Grenze hin ausdehnt und Teil des Einzugsgebiets des Amazonas ist. Diese Region ist dicht bewaldet, und in weiten Teilen noch unerschlossen.
Zahlreiche Quell- und Nebenflüsse des Amazonas entspringen in Peru. Der Río Putumayo im Norden ist Grenzfluss zu Kolumbien.
Klima
Peru liegt in den inneren Tropen. Das Klima Perus ist regional sehr unterschiedlich und reicht von tropischem Klima in der Montaña bis zu arktischem Klima in den Gebirgsregionen der Anden.
Die Küstenebene steht unter dem Einfluss des kalten, nordwärts fließenden Humboldt- oder Perustromes. Die Temperaturen sind hier das ganze Jahr über relativ konstant; die mittlere Jahrestemperatur beträgt etwa 20°C. Der unter dem Namen Garúa bekannte Küstennebel hüllt viele der Berghänge der Sierra von Juni bis Oktober ein und liefert so genug Feuchtigkeit für das Wachstum der Grasdecke. Allerdings sind die Jahresniederschläge gering; oft werden 50Millimeter unterschritten.
In der Sierra nehmen die Temperaturen zwar mit der Höhe rasch ab, jedoch liegt auf 3300Metern die mittlere Jahrestemperatur immer noch bei 16°C. Im Allgemeinen fällt nur geringer Niederschlag, aber in einigen Gebieten treten von Oktober bis April mitunter heftige Regenfälle auf. In
Cuzco, im südöstlichen Teil der Sierra, erreicht die jährliche Niederschlagsmenge 815Millimeter.
In den tieferen Lagen der Montaña ist es äußerst heiß und feucht mit einer Jahresmitteltemperatur von 26°C, während das Klima in höheren Lagen gemäßigter ist. Die dieses Gebiet durchquerenden Ostwinde reichern sich mit Feuchtigkeit an, die später an den Osthängen der Anden abregnen. Der mittlere Jahresniederschlag erreicht in einigen Gegenden bis zu 3800Millimeter. Die Hauptregenzeit dauert von November bis April.
Flora und Fauna
|
|
Die Pflanzenwelt ist in Peru äußerst vielfältig. In der trockenen, sandigen Küstenebene herrscht Wüstenvegetation vor (Sträucher, Gräser und Knollenpflanzen). In der weiten, fruchtbaren Montaña wächst dagegen eine ungeheure Fülle von Bäumen, Kletterpflanzen und Kräutern; vertreten sind u.a. Mahagonibäume, Zedern, Kautschukbäume, Chinarindenbäume, Sarsapilla- und Vanillepflanzen sowie eine große Vielfalt tropischer Blumen. In der zerklüfteten Sierra gibt es nur eine sehr spärliche Pflanzenwelt. Die Vegetation besteht vorwiegend aus Xerophyten (Trockenpflanzen), die sich einem zeitweiligen oder permanenten Wassermangel anpassen können (z.B.
Mesquitebäume, Kakteen, Eukalyptusgewächse).
Auch die Tierwelt Perus ist vielfältig. In der Küstenebene und auf den der Küste vorgelagerten Inseln leben Möwen und Seeschwalben, Eidechsen, Insekten, Taranteln und Skorpione. Die peruanischen Küstengewässer sind Lebensraum u.a. von Anchovis, Sardinen, Schellfischen, Seezungen, Makrelen, Flundern, Hummern und Garnelen. In der Sierra sind Lamas, Alpakas, Chinchillas und Guanakos verbreitet. Die Vogelwelt dieser Region umfasst Andenkondor, Rotkehlchen,
Phoebe, Fink, Rebhuhn, Ente und Gans. Auch der Titicacasee und andere stehende Gewässer verfügen über ein reiches Fischleben. Zu den Tieren der tropischen Montaña gehören Jaguare, Pumas, Gürteltiere, Pekaris (Nabelschweine), Ameisenbären, mehrere Dutzend Affenarten, Alligatoren, Schildkröten und eine Vielfalt von Schlangen und Insekten; an Vögeln gibt es Papageien, Flamingos und andere tropische Arten.
Geschichte

Die ältesten Funde über die Besiedlung Perus sind Tausende von Jahren alt, aber außer einigen Ruinen gibt es wenige Zeugnisse über diese frühen Zivilisationen. Um 1250 v.Chr. wanderten Gruppen wie die
Chavín, Chimú, Nazca und Tiahuanaco aus dem Norden in das Gebiet des heutigen Peru ein. Die Stadt
Chanchan, deren Ruinen bis heute erhalten sind, wurde um 1000 n.Chr. von den Chimú erbaut.
Das Inkareich
Die Inka, Verehrer des Sonnengottes, waren ursprünglich ein in einer wüstenhaften Gegend der südlichen Sierra lebender kriegerischer Stamm. Zwischen 1100 und 1300 wanderten die Inka nordwärts in das fruchtbare Hochtal von
Cuzco. Von hier aus eroberten sie benachbarte Gebiete. Um 1500 erstreckte sich das Inkareich vom Pazifischen Ozean Richtung Osten bis zu den Quellen von Paraguay und Amazonas und von der Gegend des heutigen Quito in Ecuador Richtung Süden bis zum Fluss Maule in Chile. Dieses Großreich war eine Theokratie (Gottesstaat), das von einem als Gott verehrten Inka (Herrscher) regiert wurde. Der große Gold- und Silberreichtum des Inkareiches machte es zu Anfang des 16.Jahrhunderts zum Ziel spanischer imperialistischer Bestrebungen in der Neuen
Welt.
Die spanische Herrschaft
1532 landete der spanische Soldat und Abenteurer Francisco Pizarro in Peru mit einer Streitmacht von 180Mann und brachte das Inkareich in spanischen Besitz. 1535 gründete er am Ufer des Rímac die peruanische Hauptstadt Ciudad de los Reyes (spanisch für „Stadt der Könige"), das heutige Lima. In der Folgezeit kam es unter den spanischen Eroberern (Konquistadoren) zu Streitigkeiten über Machtbefugnisse, und 1541 wurde Pizarro von einem Mitglied einer der spanischen Konfliktparteien in Lima ermordet.
1542 verkündete der spanische Reichsrat eine Regelung, die den Grausamkeiten gegenüber den Einheimischen Einhalt gebieten sollte. Im gleichen Jahr gründete Spanien das Vizekönigreich Peru, das fast das ganze spanische Südamerika mit Ausnahme des heutigen Venezuela umfasste.
Der erste spanische Vizekönig kam 1544 nach Peru, und versuchte, die Indianerschutzgesetze durchzusetzen, aber die Konquistadoren lehnten sich dagegen auf und ermordeten ihn 1546. Obgleich der Aufstand von spanischen Regierungstruppen 1548 niedergeschlagen wurde, traten die Schutzgesetze nie in Kraft.
1569 wurde der spanische Kolonialverwalter Francisco de Toledo nach Peru entsandt. Während der folgenden 14Jahre errichtete er ein äußerst wirkungsvolles, aber auch stark unterdrückendes Regierungssystem. Aufgrund des äußerst lukrativen Silberbergbaus entwickelte sich das Vizekönigreich Peru im 17.Jahrhundert zur bedeutendsten Kolonie des spanischen Imperiums.
Unabhängigkeitskämpfe
Nach neuerlichen Abgabenerhöhungen im Jahr 1780 erhob sich die Bevölkerung unter Leitung des peruanischen Patrioten José Gabriel
Condorcanqui, der den Namen seines Vorfahren Inka Tupac Amaru angenommen hatte, gegen die spanische Herrschaft. Nach anfänglichen Erfolgen wurde der Aufstand jedoch 1781 niedergeschlagen, und Condorcanqui wurde - wie Tausende seiner revolutionären Anhänger - hingerichtet. Eine weitere Revolte wurde 1814 niedergeschlagen. In der Folgezeit verstärkte sich jedoch die Opposition gegen die Kolonialherrschaft im gesamten spanisch beherrschten Südamerika. Der Widerstand wurde vorwiegend von Südamerikanern spanischer Abstammung angeführt, die es der herrschenden Minderheit seit langem
übelnahmen, eine niedrigere Stellung als diese zu haben.
Die Unabhängigkeit von der spanischen Herrschaft wurde Peru jedoch von außen gebracht. Im September 1820 landete der argentinische Soldat und Patriot José de San Martin, der die spanischen Streitkräfte in Chile besiegt hatte, mit einer Armee in der peruanischen Hafenstadt
Pisco. Am 12.Juli 1821 zogen San Martins Truppen in der von den spanischen Truppen verlassenen Stadt Lima ein. Die Unabhängigkeit Perus wurde offiziell am 28.Juli 1821 ausgerufen. Der Kampf gegen Spanien wurde später vom Revolutionshelden Venezuelas, Simón
Bolívar, weitergeführt, der mit seinen Truppen 1822 nach Peru kam. 1824, in der Schlacht von Junín im August und in der Schlacht von Ayacucho im Dezember, vertrieben Bolívars Streitkräfte die Spanier endgültig und sicherten die Unabhängigkeit Perus.
Wechselnde Herrscher
Die folgenden Jahre waren von politischer Instabilität gekennzeichnet. Bolívar verließ 1826 Peru und begab sich nach Großkolumbien. Seine Nachfolger konnten sich jeweils nur wenige Jahre im Amt halten. Andrés Santa Cruz regierte bis 1827, als er durch José de La Mar ersetzt wurde, der seinerseits 1829 von Agustín Gamarra abgelöst wurde. Gamarra regierte bis 1833. In der Zwischenzeit war Santa Cruz Präsident von Bolivien geworden, marschierte 1836 in Peru ein, und vereinigte beide Länder zu einem Bundesstaat. Dieser hatte aber nur drei Jahre Bestand, und Peru wurde 1839 wieder selbständig. Stabile politische Verhältnisse stellten sich aber erst 1845 ein, als Ramón Castilla die Präsidentschaft übernahm. Während seiner beiden Amtsperioden (1845-1851 und 1855-1862) führte er viele wichtige Reformen durch, u.a. die Abschaffung der Sklaverei sowie den Bau von Eisenbahnen und Telegrapheneinrichtungen. 1860 verabschiedete er eine liberale Verfassung. Castilla begann ebenfalls mit der Ausbeutung der reichen Guanovorkommen auf den Küsteninseln und der Salpeterlager in der
Atacama. Die Besetzung der an Guano reichen Chincha-Inseln durch die Spanier im Jahr 1864 veranlasste Peru zur Kriegserklärung an Spanien. Ecuador, Bolivien und Chile unterstützten Peru, und die spanischen Streitkräfte wurden 1866 geschlagen. Das hierauf geschlossene Abkommen von 1879 stellte die erste offizielle Anerkennung der Unabhängigkeit Perus durch Spanien dar.
Peru musste im Salpeterkrieg (Pazifischer Krieg) mit Chile (1879-1883) eine schwere Niederlage hinnehmen. Durch diesen Krieg waren die finanziellen Reserven Perus nahezu erschöpft, was in den späteren Beziehungen zwischen beiden Ländern zu ständigen Spannungen führte. In den folgenden 25Jahren wurde Peru von einer Reihe von Diktatoren regiert.
Gründung der Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA)
1908 startete der Präsident Augusto Leguía y Salcedo ein Programm wirtschaftlicher Reformen. Nach seiner ersten Amtsperiode (1908-1912) reiste Leguía nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten, um Methoden des Bankwesens und der Finanzwirtschaft, die er später in Peru umsetzte, kennen zu lernen. Durch einen militärischen Staatsstreich kam er 1919 erneut an die Macht und regierte daraufhin diktatorisch. 1924, während seiner Herrschaft, gründeten mehrere peruanische Intellektuelle im Exil die Alianza Popular Revolucionaria Americana
(APRA), deren Führer Víctor Raúl Haya de la Torre über 40Jahre lang im Amt war. Auf Grund ihrer antiimperialistischen Ideologie, die grundlegende Reformen, insbesondere in Bezug auf die politische und soziale Stellung der Indianer verlangte, wurde die APRA bald von Leguía verboten. Trotzdem gelang es ihr, zur einflussreichsten politischen Partei Perus aufzusteigen. Mit dem Abkommen von 1929 konnte Leguía die Tacna-Arica-Frage mit Chile klären, das die im Salpeterkrieg eroberte Insel Tacna an Peru zurückgab. 1929 wurde Leguía
gestürzt.
Am 9.April 1933 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Im selben Monat wurde der Nachfolger von Präsident
Leguía, Luis Sánchez Cerro, ermordet. Der nächste Präsident, General Óscar Raimundo
Benavides, folgte dem neuen Muster strenger politischer Führung. Manuel Prado y
Ugarteche, der die Nachfolge Benavides 1939 antrat, war jedoch gezwungen, dem starken, von der APRA verbreiteten Reformdenken Rechnung zu tragen.
Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit
1940 brach zwischen Peru und Ecuador wegen Grenzstreitigkeiten ein bewaffneter Konflikt aus, der 1942 zugunsten von Peru entschieden wurde, das einen Teil des östlichen Ecuador zugesprochen bekam. Während des 2.Weltkrieges gewährte Peru den Alliierten nur begrenzte Unterstützung. Das Land brach seine Beziehungen zu den Achsenmächten im Januar 1942 ab, erklärte jedoch erst im Februar 1945 Deutschland und Japan den Krieg.
1945 wählte eine Koalition liberaler und linksgerichteter Parteien (einschließlich der
APRA) José Luis Bustamante y Rivero zum Staatspräsidenten. Bustamante führte zahlreiche Reformen durch: Bürgerrechte und Pressefreiheit wurden stärker verankert, und gewisse diktatorische Machtbefugnisse des Präsidenten wurden durch eine Verfassungsänderung abgeschafft. Im Oktober 1948 setzten jedoch rechtsgerichtete Revolutionsführer Bustamante ab, übernahmen die Regierung und verboten die
APRA. Am 2.Juli 1950 wurde Manuel A.Odría, der Anführer des Staatsstreichs von 1948, Präsident.
Die diktatorische Regierung Odrías verstärkte Perus Streitkräfte, startete ein groß angelegtes Bauprogramm und schloss eine Reihe wirtschaftlicher und kultureller Abkommen mit Brasilien, die zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern führten. Ebenso wie Chile und Ecuador dehnte auch Peru seine Hoheitsgewässer auf 320Kilometer vor dem Festland aus.
Die liberale Zeit
Wachsender Widerstand gegen die Militärdiktatur führte 1956 zu freien Wahlen, bei denen erneut Manuel Prado y Ugarteche zum Präsidenten gewählt wurde. Er setzte umgehend grundlegende soziale Reformen durch. Diese wurden aber bald von der angespannten wirtschaftlichen Lage, die zahlreiche Streiks nach sich zog, behindert. 1959 brachte er ein umfangreiches Investitionsprogramm in Gang. Bis Mai 1960 hatte sich die wirtschaftliche Lage entscheidend gebessert, und es floss ausländisches Kapital in Form von Krediten und Entwicklungsverträgen nach Peru.
Da in den Präsidentschaftswahlen von 1962 keiner der Kandidaten die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Wählerstimmen erlangt hatte, ergriff eine Militärjunta die Macht und setzte General Ricardo Pío Pérez Godoy im Juli als Präsidenten ein. Dieser wurde jedoch im März 1963 wieder abgesetzt. Drei Monate später wurde Fernando Belaúnde Terry zum Staatspräsidenten gewählt. Während der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit wuchs der politische Widerstand, und die zunehmende Inflationsrate führte 1967 zu sozialen Unruhen.
Militärherrschaft
Ein lange andauernder Streit über die Forderungen der International Petroleum Company
(IPC), einer Tochtergesellschaft der American Standard Oil Company, hinsichtlich der Ausbeutung von Erdölfeldern, wurde schließlich unter der Regierung Belaúndes im August 1968 beigelegt. Die allgemeine Missbilligung dieser Regelung zwang jedoch das Kabinett im Oktober zum Rücktritt; Belaúnde wurde zwei Tage später durch einen Militärputsch gestürzt. Die Verfassung wurde zeitweilig aufgehoben, und eine Militärjunta unter Vorsitz von General Juan Velasco Alvarado gebildet. Seine Regierung enteignete die
IPC, was 1969 ernsthafte Spannungen mit den Vereinigten Staaten hervorrief.
Anfang der siebziger Jahre leitete die Regierung Velascos eine radikale Reform der Wirtschafts- und Sozialstruktur ein. Zu den einschneidendsten Aktionen gehörten die Verstaatlichung eines Teiles der Landwirtschaft und der Industrie sowie der ausländischen Banken. Im Staatshaushalt von 1973 wurden erhebliche Mittel zur Förderung von Privatunternehmen bereitgestellt.
Rückkehr zur Demokratie
Nachdem eine Reihe von Streiks und Demonstrationen die allgemeine Unzufriedenheit mit Präsident Velasco zum Ausdruck gebracht hatte, wurde die peruanische Regierung im August 1975 gestürzt. General Francisco Morales
Bermúdez, der unter Velasco als Premierminister und Verteidigungsminister amtiert hatte, wurde neuer Präsident. Seine Regierung kündigte an, dass das Land 1980 zur Demokratie zurückkehren würde. In diesem Jahr wurden Präsidentschaftswahlen abgehalten. Der als Sieger hervorgegangene frühere Präsident Belaúnde Terry trat sein Amt im Juli nach In-Kraft-Treten der neuen Verfassung an. Während der folgenden fünf Jahre ging das Pro-Kopf-Einkommen zurück, die Auslandsverschuldung stieg, und die Gewalttaten des Militärs und linksgerichteter Guerillaorganisationen nahmen zu. In den Präsidentschaftswahlen von 1985 setzte sich der APRA-Kandidat Alán García Pérez durch, der jedoch den rapiden wirtschaftlichen Niedergang des Landes auch nicht aufhalten konnte.
In der notwendig gewordenen Stichwahl bei den Präsidentschaftswahlen von 1990 konnte sich überraschend Alberto Fujimori, ein Agraringenieur japanischer Abstammung, gegen den Schriftsteller Mario Vargas Llosa durchsetzen. Fujimori, der die Stichwahl mit Unterstützung des linken Flügels gewann, verhängte ein hartes Sparprogramm, um der starken Inflation zu begegnen und Perus Kreditwürdigkeit auf dem internationalen Geldmarkt wieder herzustellen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten zu einer Eskalation der Gewalttaten des Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad), einer linksgerichteten Organisation. Im April 1992 setzte Fujimori Teile der Verfassung außer Kraft und übernahm die volle Regierungsgewalt mit der Begründung, der Kongress und die Justiz hätten seine Bemühungen um die Bekämpfung des Drogenhandels und der Guerilla blockiert. Im September wurden mehrere Schlüsselfiguren des Sendero Luminoso festgenommen und eine Pressezensur verhängt. Im November erlangte die Partei Fujimoris bei den Parlamentswahlen die Mehrheit. Beim ersten Volksentscheid in der Geschichte des Landes wurde im Oktober 1993 eine neue Verfassung angenommen. Sie stärkt die Stellung des Präsidenten, sieht eine Möglichkeit für dessen Wiederwahl vor, und führt die Todesstrafe wieder ein.
Im Januar 1995 kam es in dem seit langem schwelenden Grenzkonflikt zwischen Peru und Ecuador zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Truppen beider Länder. In dem etwa 340Quadratkilometer großen, weitgehend unerforschten Gebirgsland werden reiche Gold-, Erdöl- und Uranvorkommen vermutet. Das umkämpfte Gebiet war 1950 von einem internationalen Schiedsgericht Peru zugesprochen worden, aber Ecuador wehrte sich permanent gegen diese Entscheidung.
Im März wurden zwei Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, die den Weg für Friedensgespräche zwischen beiden Ländern ebnen sollten. Im April 1995 setzte sich Fujimori bei den Präsidentschaftswahlen gegen seinen Herausforderer Pérez de Cuéllar, den früheren Generalsekretär der Vereinten Nationen, durch.
Am 17.Dezember 1996 besetzten Angehörige der Revolutionären Bewegung Tupac Amaru
(MRTA) die japanische Botschaftsresidenz in Lima und forderten die Freilassung mehrerer Hundert Gesinnungsgenossen aus peruanischen Gefängnissen. Am 22.April 1997 bereiteten 140 peruanische Elitesoldaten dem Geiseldrama ein blutiges Ende. Bei der Aktion kamen alle 14Geiselnehmer (die meisten davon jünger als 21Jahre), zwei Soldaten und eine der
72 Geiseln (ein peruanischer Richter) ums Leben. Statistik
 Staatsname Republik Peru
Hauptstadt Lima
Fläche 1 285 216 km²
Städte (Einwohner)
Lima 5 759 676 (1993)
Callao 637 755 (1993)
Arequipa 620 471 (1993)
Trujillo 508 716 (1993)
Chiclayo 410 486 (1993)
Cusco 257 751 (1993)
Einwohner 23 780 000 (1995 geschätzt)
Wachstumsrate
1,9 Prozent (1990-1995 durchschnittlich)
Bevölkerungsdichte
19 Einwohner pro km²
Bevölkerungsverteilung
Stadt 72,2 Prozent (1995 geschätzt)
Land 27,8 Prozent (1995 geschätzt)
Durchschnittliche Lebenserwartung
Insgesamt 66 Jahre (1995 geschätzt)
Frauen 68 Jahre (1995 geschätzt)
Männer 64 Jahre (1995 geschätzt)
Kindersterblichkeitsrate
88 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten (1990)
Alphabetisierungsgrad
Insgesamt 89 Prozent (1995 geschätzt)
Frauen 83 Prozent (1995 geschätzt)
Männer 95 Prozent (1995 geschätzt)
Ethnische Gruppen
Indianer 45 Prozent
Mestizen 37 Prozent
Weiße 15 Prozent
Afroamerikaner, Japaner, Chinesen und andere 3 Prozent
Sprachen
Spanisch (Amtssprache), Quechua (Amtssprache), Aymara, Englisch
Religionszugehörigkeit
Katholiken 95 Prozent
Andere 5 Prozent
Staatsform Republik
Unabhängigkeit 28. Juli 1821 (von Spanien)
Verfassung 29. Dezember 1993
Wahlrecht Allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahre
Wirtschaft
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
41,06 Milliarden US-Dollar (1993 geschätzt)
BIP pro Einwohner 1 991 US-Dollar (1992)
Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftssektoren
Staatshaushalt (in Milliarden US-Dollar)
Einnahmen 5,4 (1993)
Ausgaben 4,6 (1993)
Währung
1 Nuevo Sol (S/.) = 100 Céntimos
Ausgeführte Güter
Kupfer, Zink, Fischmehl, Rohöl and Ölprodukte, Blei, Silber, Kaffee, Baumwolle
Eingeführte Güter
Maschinen, Fahrzeugteile, Nahrungsmittel, Erdöl, Eisen und Stahl, Chemikalien, Arzneimittel
Wichtigste Außenhandelspartner (Export)
Vereinigte Staaten von Amerika, Japan, Italien, Deutschland
Wichtigste Außenhandelspartner (Import)
Vereinigte Staaten von Amerika, Kolumbien, Argentinien, Japan, Deutschland, Brasilien
Industrie
Bergbau, Erdölförderung, Fischerei, Textilienherstellung, Lebensmittelverarbeitung, Zementherstellung, Automobilindustrie, Stahlproduktion, Schiffbau, Metallerzeugung
Landwirtschaft
Exportgüter: Kaffee, Baumwolle, Zuckerrohr; außerdem werden angebaut: Reis, Weizen, Kartoffeln, Mehlbanane (Kochbanane); tierische Erzeugnisse: Fleisch, Wolle; Getreide wird importiert.
Rohstoffe
Kupfer, Silber, Gold, Erdöl, Nutzholz, Eisenerz, Steinkohle, Phosphat,
Kali.
Quellenangaben:
Allgemeines und Bevölkerung
Die Flächenangaben wurden dem 1994 Food and Agriculture Organization (FAO) Production Yearbook entnommen. Die Einwohnerzahl, die Bevölkerungswachstumsrate und die Daten zur Lebenserwartung stammen aus dem Bericht World Population Prospects
(The 1994 Revision) der Vereinten Nationen (UN). Die Angaben zur Bevölkerungsdichte und zur Kindersterblichkeit sind aus dem 1993 Statistical Yearbook der UN, die zum Alphabetisierungsgrad aus dem 1995 Statistical Yearbook der UNESCO. Die Daten zur Bevölkerungsverteilung wurden dem UN-Bericht World Urbanization Prospects
(The 1994 Revision) entnommen, und die Angaben zu Ethnien, Sprachen und Religionszugehörigkeiten stammen aus dem 1995 World Factbook der CIA (Central Intelligence Agency, Zentralamt des amerikanischen Geheimdienstes). |
Wirtschaft
Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt und zum Staatshaushalt entstammen den World Bank World
Tables. Die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner sind aus dem 1993 Statistical Yearbook der UN. Daten zur Industrie wurden dem 1993 Handbook of International Trade and Development der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) entnommen.
Anmerkung: Die angegebenen Zahlen sind gerundet. Deshalb entspricht die Summe der aufgeführten Werte nicht immer 100 Prozent. Bevölkerung
Peru hat eine Gesamtbevölkerung von etwa 23,3Millionen; die mittlere Bevölkerungsdichte liegt bei 18Einwohnern je Quadratkilometer. Etwa die Hälfte der Peruaner lebt im Küstentiefland, 40Prozent in der Gebirgsregion und 10Prozent im Osten des Landes. Etwa 45Prozent der Einwohner Perus sind Indianer; einige Gruppen von ihnen sind Nachfahren der Inka, die im 15.Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Peru ein Großreich errichtet hatten. 37Prozent der Einwohner gelten als Mestizen (Mischlinge zwischen Weißen - in erster Linie Spaniern - und Indianern), etwa 15Prozent sind Weiße. Außerdem leben u.a. Schwarzafrikaner und Ostasiaten im Land. 71Prozent der Bevölkerung wohnen in Städten. Die mittlere Lebenserwartung beträgt 64Jahre. Viele der im Gebirgsland der Anden lebenden Indianer haben die Bräuche und Überlieferungen ihrer Vorfahren bewahrt. Die an der Küste und in den Städten des Hochlandes siedelnden Weißen, Mestizen und Schwarzen haben einen modernen westlichen
Lebensstil. |
Wichtige Städte
Die größte Stadt Perus ist die Hauptstadt Lima mit 5,8Millionen Einwohnern in der Agglomeration. Weitere größere Städte sind Callao (640000 Einwohner), Arequipa (620000), Trujillo (510000), Chiclayo (410000) und Cuzco (260000). Sprache
und Religion
|
Spanisch, das von etwa 70Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, war bis 1975 die einzige Amtssprache Perus. Dann wurde
Ketschua, eine der bedeutendsten unter den Indianersprachen, ebenfalls zur offiziellen Amtssprache erhoben. Auch Englisch und
Aymará, eine weitere Indianersprache, sind im Land verbreitet. Über 90Prozent der Peruaner sind römisch-katholisch. 1915 wurde die katholische Konfession durch ein Gesetz zur Staatsreligion erklärt. Außerdem leben Protestanten, Juden und Muslime in Peru.
Das indianische Erbe Perus ist eines der reichsten Südamerikas. Obwohl die Spanier ihre Sprache, Religion und Herrschaftsform nach Peru brachten, sind die Spuren der indigenen Kultur bis heute überall wahrzunehmen. Archäologische Grabungen brachten monumentale Überreste dieser indianischen Kultur zutage (siehe Machu
Picchu). Die Architektur der spanischen Kolonialzeit, eine Mischung aus spanischen und indianischen Formen, wird als kreolische Architektur bezeichnet. In der zeitgenössischen Kunst wird das Peru des 20.Jahrhunderts demonstrativ mit Mitteln der indianischen Kunst interpretiert. Die pentatonische (fünftonige) Tonleiter der Indianer sowie ihre alten Instrumente (Gehäuse von Meeresschnecken, Flöten, Okarinas und Panflöten) sind nach wie vor in Gebrauch.
|
Musik

Die quechuasprachigen Indianer besitzen eine enge Verbindung zur traditionellen Inkakultur und pflegen im Vergleich zu anderen Gruppen einen ganz eigenen Musikstil. Zu den wichtigeren Genres der Quechua-Musik gehören religiöse und rituelle Choräle, Tanzmusik, Klagelieder und Liebeslieder. Das am weitesten verbreitete Musikinstrument ist die
Kena, eine eingekerbte Flöte. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Begleitung des
Huayno, dem peruanischen Volkstanz. Er stammt aus präkolumbianischen Zeiten und wird als Tuchtanz von Paaren getanzt. Der Huayno ist mit seinen vielen stilistischen Varianten in der gesamten Andenregion verbreitet. Im Allgemeinen wird seine Melodie von rhythmischen Verschiebungen (Synkopen) geprägt, wobei er zwei musikalische Themen wechselweise aufgreift.
In der Region des Titicacasees im Süden Perus begleiten die Aymara den Huayno oftmals mit Panflötengruppen und tieftönigen zylindrischen Trommeln. Die Panflöten bestehen aus nicht weniger als sieben zusammengebundenen hohlen Bambusrohren, die der Länge nach zusammengebunden sind. Jeder Flötensatz kann nur die Hälfte der Tonleiter spielen, so dass zwei sich ergänzende Panflöten beim Spielen einer Melodie abwechseln müssen. Bei dieser Technik ist jeder Flötist vom anderen abhängig. Viele Musikstücke für Panflöte verbinden mehrere musikalische Einheiten zu einer Folge, die dann wiederholt wird.
Die Musik der Mestizen Perus weist einen starken europäischen Einfluss auf. Dieser wird insbesondere bei den verschiedenen Tanzformen und dem Einsatz von Saiteninstrumenten, wie Harfe und Gitarre, deutlich. Um Kritik an der Kolonialherrschaft zu üben, werden spanische Tänze manchmal überzogen dargestellt. In diesem Zusammenhang können Musik und Tanz politische Einstellungen verschlüsselt ausdrücken, die, in Worte gefasst, eine harte Bestrafung nach sich ziehen würden. Politik

Der Präsident, der für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird, steht an der Spitze der Regierung und wird von zwei Vizepräsidenten und einem Kabinett unterstützt. Bis 1992 setzte sich der Kongress aus einem Abgeordnetenhaus mit 180 Abgeordneten und einem Senat mit 60 Senatoren zusammen. Für beide Häuser fanden alle fünf Jahre Wahlen statt. Im Januar 1993 wurde eine gesetzgebende Versammlung
(Congreso Constituyente Democrático) einberufen, die einen Verfassungsentwurf ausarbeitete. Dieser sah ein Parlament nach dem Einkammersystem vor und wurde im Oktober desselben Jahres angenommen. Das heutige Parlament besteht aus 120 Mitgliedern. Das allgemeine Wahlrecht erhält man mit 18 Jahren.
Spanien erkannte erst 1871, nach einem Krieg mit Peru, die Unabhängigkeit an. 1879 führten Grenzstreitigkeiten zwischen Chile und Bolivien zum so genannten Salpeterkrieg, in dem Peru auf Seiten Boliviens in den Krieg eintrat. Als Folge dieses verheerenden Krieges mußte Peru die rohstoffreichen Provinzen
Tacna, Arica und Tarapacá an Chile abtreten. Die folgenden Jahrzehnte waren durch politische Instabilität und eine geringe wirtschaftliche Entwicklung gekennzeichnet. Präsident Fernando Belaúnde wurde 1968 vom links gerichteten General Juan Velasco abgesetzt, der außerdem Großgrundbesitzer und ausländische Konzerne enteignen ließ. Die folgende Militärjunta unter seiner Leitung übernahm für die folgenden zwölf Jahre die Regierung. 1980 erklärte sich das Militär einverstanden, die Macht an eine Zivilregierung zu übergeben, Belaónde wurde in den darauf folgenden Wahlen als Präsident wiedergewählt. Die wirtschaftliche Situation des Landes hatte sich durch die von Velasco betriebene Politik des “militärischen Sozialismus” stark verschlechtert. Dieser Prozess wurde unter Belaónde noch verstärkt. Nach dem Amtsantritt von Alán García Pérez 1985 folgte einer anfänglichen wirtschaftlichen Besserung das wirtschaftliche Chaos, in dem Auslandsverschuldung und Kriminalität in die Höhe schnellten – auch Pérez gelang es nicht, die wirtschaftlichen Probleme Perus zu lösen. Innenpolitisch wurde die Situation durch Terroraktionen der maoistischen Gruppe Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) verschärft. Dieser Gruppe fielen in den achtziger Jahren etwa 18 000 Menschen zum Opfer.
Im Juni 1990 wurde Alberto Fujimori, Sohn japanischer Einwanderer, zum Nachfolger Garcías gewählt.
Wegen anhaltender innerer Spannungen setzte Fujimori 1992 die Verfassung außer Kraft und löste das Parlament auf. Im Oktober 1993 wurde in einem Referendum eine neue Verfassung angenommen, die im Dezember desselben Jahres in Kraft trat. Merkmale der Amtszeit Fujimoris sind die Senkung der Inflationsrate und die erfolgreiche Bekämpfung des Leuchtenden Pfades.
1994 verkündete der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), Javier Pérez de Cuéllar, dass er in den für April 1995 geplanten demokratischen Wahlen als Unabhängiger kandidieren wolle. Fujimori ging jedoch aus den Wahlen erneut als Präsident hervor und konnte auch im Parlament eine Stimmenmehrheit für seine Koalition gewinnen.
Am 17. Dezember 1996 stürmten links gerichtete Guerillatruppen der revolutionären Tupakamaru-Bewegung eine Veranstaltung im japanischen Botschaftsgebäude in Lima und nahmen Hunderte von Geiseln. Sie forderten für die Freilassung der Geiseln die Freilassung ihrer inhaftierten Gesinnungsgenossen aus den Gefängnissen. Bis Anfang April 1997 war es zwischen den Rebellen und der peruanischen Regierung zu keiner Einigung gekommen. Die Rebellen hielten noch immer 72 Geiseln in ihrer Gewalt. Das Geiseldrama wurde am 22. April 1997 von einem peruanischen Sonderkommando blutig beendet. Bei der Aktion kamen alle 14 Geiselnehmer, zwei Soldaten sowie eine der Geiseln ums Leben.
Seit langem besteht zwischen Peru und Ecuador eine Grenzstreitigkeit um einen Teil des so genannten
Oriente-Gebiets. Nach einer militärischen Auseinandersetzung besetzte Peru 1941 das grenznahe Gebiet. Auf der Konferenz von Rio de Janeiro wurde 1942 Peru ein Großteil des Ecuador Oriente zugesprochen, wobei Ecuador bis heute seine Ansprüche auf diese Regionen bekundet. Im Januar und Februar 1995 kam es erneut zu Kampfhandlungen (“Anden-Krieg”), da man in der Region Gold- und Erdölvorkommen vermutete. Zwar wurde im Februar 1995 ein Waffenstillstandsabkommen zwischen beiden Ländern unterzeichnet, aber ein weiteres Voranschreiten in der Lösung dieses Konflikts kam auch 1997 nicht zustande. Bildung
und Schulwesen 
Die Analphabetenrate konnte durch gezielten Ausbau des Schulwesens auf elf Prozent gesenkt werden. Der Besuch öffentlicher Schulen ist unentgeltlich. Es besteht neunjährige Schulpflicht; besonders in ländlichen Gebieten sind jedoch zu wenige Schulen vorhanden.
In Peru gibt es 46Hochschulen, davon sind 27 staatlich. Zu den größten Hochschulen zählen die Staatlichen Universitäten San Marcos in Lima (1551), San Agustín in Arequipa (1828), San Antonio Abad in Cuzco (1962) und La Libertad in Trujillo (1824). Das Staatliche Musikkonservatorium (1908) befindet sich in Lima. Landwirtschaft
Rund 35Prozent der Erwerbstätigen Perus arbeiten in der Landwirtschaft. Der Großteil der in der Küstenregion produzierten Anbaufrüchte ist für den Export bestimmt. Produkte für den landeseigenen Bedarf werden vorwiegend in der Montaña und in der Sierra angebaut. Viele der landwirtschaftlichen Betriebe Perus sind sehr klein und betreiben in erster Linie Selbstversorgungswirtschaft. Daneben gibt es auch große Genossenschaftsbetriebe. Hauptanbauprodukte sind Zuckerrohr, Kartoffeln, Reis, Mais, Baumwolle und Kaffee. Eine verbreitete kommerziell genutzte Pflanze ist der Kokastrauch.
Bei der Tierhaltung dominieren Rinder, Schafe, Ziegen, Alpakas, Lamas und Maultiere. |
Forstwirtschaft und Fischerei
54Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Diese Areale werden aber kaum wirtschaftlich genutzt. Neben dem Einschlag von Balsaholz spielt lediglich das Sammeln von Naturkautschuk und einer Reihe medizinischer Pflanzen eine Rolle. Bedeutend ist dabei der Chinarindenbaum, aus dem Chinin gewonnen wird.
Die Fischerei ist von großer Bedeutung für die Wirtschaft des Landes und liefert einen beachtlichen Anteil am Gesamtexport. Die niedrigen Temperaturen der küstennahen Gewässer bedingen einen großen Planktonreichtum. Dieser bildet die Grundlage für reichhaltige Bestände an Anchovis, die etwa 60Prozent der gesamten Fangraten ausmachen, und überwiegend zu Fischmehl verarbeitet werden. Bergbau
und Industrie 
Peru verfügt über große Reserven an Bodenschätzen. Zu den umfangreichsten Rohstoffen gehören Kupfer-, Gold-, Silber-, Eisen-, Blei- und Zinkerz sowie Erdöl und Erdgas. Dem Bergbau kommt eine bedeutende Stellung innerhalb der peruanischen Wirtschaft zu. Bei einigen Metallen (z.B. Zink-, Blei- und
Silbererz) zählt Peru zu den weltweit führenden Förderländern. Die Erdöllagerstätten befinden sich überwiegend im Amazonastiefland im Norden des Landes.
Der Großteil des verarbeitenden Gewerbes Perus besteht aus Kleinbetrieben, aber seit den fünfziger Jahren haben sich eine Reihe moderner Industriebetriebe an der Pazifikküste angesiedelt. Zu den traditionell erzeugten Gütern gehören Textilien, Kleidung, Nahrungsmittel und kunsthandwerkliche Produkte. In modernen Industrieanlagen werden vor allem Stahl, chemische und petrochemische Produkte, Fahrzeuge und Fischmehl hergestellt.
Etwa drei Viertel der gesamten elektrischen Energie werden in Wasserkraftwerken erzeugt.
Währung und Außenhandel
Die Währungseinheit Perus ist der Nuevo Sol zu 100Céntimos. Alle privaten peruanischen Banken wurden 1987 verstaatlicht.
Peru bietet eine größere Vielfalt an Exportgütern als die meisten anderen Länder Südamerikas. Zu den Hauptexportwaren gehören Erdöl, Metalle (Blei, Silber, Kupfer), Fischmehl, Zucker und Kaffee. Importiert werden in erster Linie Maschinen, Fahrzeuge, elektronische Geräte und chemische Erzeugnisse. Wichtigste Handelspartner sind die Vereinigten Staaten, Kolumbien, die EU-Staaten, Japan und China. Verkehrswesen

Die Gebirge des Landes erschweren die Verkehrserschließung. Peru verfügt über ein Straßennetz von etwa 70000 Kilometern, wovon elf Prozent befestigt sind. Die 2495Kilometer lange Hauptverkehrsader ist Teil des Panamerican Highway, der Peru von Nordwesten nach Südosten durchzieht. Die transandine Straße verbindet Lima und
Pucallpa. Das Streckennetz der Eisenbahn hat eine Länge von etwa 2400Kilometern. Die transandine Linie von Callao nach Huáncayo verläuft bis in eine Höhe von 4815Metern; dies ist der höchste Punkt, der weltweit von einer Eisenbahn erreicht wird. Die Binnenschifffahrt ist auf den Amazonas und den Titicacasee beschränkt. Führende peruanische Seehäfen sind
Callao, Salaverry, Pacasmayo, Paita und San Juan. Die wichtigsten internationalen Flughäfen liegen bei Lima,
Cuzco, Iquitos und Arequipa. Aeroperú, die nationale Fluggesellschaft, bietet Inlands- und Auslandsflüge an.
E N D E
Quellennachweis:
"PERU", Microsoft(R) Encarta(R) 98 Enzyklopädie. (c)
1993-1997 Microsoft Corporation.
und
© & (p) 1995-1997 Microsoft Corporation. "Weltatlas"
Zurück zur Übersicht
zur Startseite >>>
|